Langjährige intensive Schulpartnerschaften bestehen zu Blinden- und Sehbehindertenschulen in Osteuropa 

In Prag lebt Phantasie  – Auf Stippvisite in Tschechien

Eine Delegation unserer Schülerinnen und Schülern besuchte ihre tschechische Partnerschule Škola Jaroslava Ježka in Prag.

Unter dem Leitgedanken „In Prag lebt Fantasie“ durfte unsere Gruppe sprichwörtliche „Goldene Prager Herbsttage“ erleben. Ein Abenteuer der besonderen Art!
Nach dem Besuch der tschechischen Schüler im vergangenen Jahr in Waldkirch
wurden in Prag die Erlebnisse gesucht, die seit Karl, dem IV. über die Jahrhunderte hinweg,  Prag und Umgebung fantasiereich beflügeln.

Bei der Besichtigung des historischen Schulgebäudes der dortigen Schule für “Blinde und Sehbehinderte Schüler“, die benannt ist nach dem berühmten tschechischen Musiker Jaroslava Jezka, wurde die Fantasie der Schüler mit Prager Sehenswürdigkeiten und Geschichten um die Stadt spannend belebt. „Wir lernten die ‚Wassermänner‘ der Moldau,
den ‚Schwedischen Ritter‘ und den ‚Teufel‘ kennen; persönlich - als Schauspieler zum Anfassen - auf der stark belebten und berühmten Karlsbrücke“, so die Schülerinnen und Schüler. Die Aussichtstürme über Prag, angefangen vom bizarren Fernsehturm bis zum “Eiffelturm“ der Prager, dem sogenannten Pretschin und eine gemeinsame Bootsfahrt, auf der Moldau, beflügelte weiter die Fantasie der Himmelsstürmer und Moldauschiffer. 

Der Besuch des mit allen Sinnen erfahrbaren Schokoladen-Museums, u.a. mit kreativem Malen mit Schokoladenfarbe, als auch dem Verkosten von Edelpralinen, wurde zudem ein genussvoller Höhepunkt der Woche.

Wieder konnte eindrucksvoll erlebt werden, wie die sich die begegnenden Jugendlichen trotz Sprachbarrieren und kulturellen Unterschieden, sich wie von selbst einander annäherten und persönliche Beziehungen und Kontakte knüpften.  Die deutsch-tschechische Schulpartner-schaft wurde belebt und weiter gestärkt und soll mit einer neuen Gruppe Schülerinnen und Schüler beim Rückbesuch in Waldkirch, im Jahr 2014, die nächste Runde der Begegnung erfahren. Der kleinkindliche geflügelte Reim  „Hänschen klein, ging allein, in die weite Welt hinein“, konnte für alle beteiligten Schülerinnen und Schüler aus Waldkirch und Prag spürbar nachgelebt werden. Ohnehin lehrreich auch in Bezug auf innere und äußere Mobilität: Unsere Gruppe aus Waldkirch plante und realisierte ihre Reise gemeinsam und umweltfreundlich - mit Bus und Bahn. In Prag wurden wie selbstverständlich, trotz individuellen Handicaps, die Nahverkehrsmittel mit interessanten Fahrten in Straßenbahnen und U-Bahnen benutzt. Land und Leute, das begonnene Lernen und Sprechen der tschechischen Sprache werden lange als positive Erinnerung bleiben.


Frank Wagner

 

 

Schulpartnerschaft zwischen der

Staatlichen Schule für Sehbehinderte Waldkirch St. Michael, (Heimsonderschule mit Internat) und der Blinden- und Sehbehindertenschule Bartiméus, Zeist, Holland

1984 kam es zu ersten Kontakten auf einer Tagung für Sportlehrer für Blinde und Sehbehinderte zwischen dem damaligen Schulleiter von Waldkirch, Bernd Herrlich, und einem sehr engagierten Sportlehrer aus Zeist, Jan Schippers.

Beide Pädagogen beschäftigten sich intensiv mit der Frage, wie man visuell beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen helfen kann, sich sinnvoll sportlich zu betätigen.

Eine intensive Kooperation der beiden Sehbehindertenschulen  mit dem Schwerpunkt Sport begann.

Holländische Schüler bekamen die Möglichkeit, im Schwarzwald Skilanglauf zu erlernen - eine Sportart, die sehbehinderten Menschen sehr entgegenkommt.

Die Skiausrüstung stellte die Waldkircher Schule zur Verfügung, ebenfalls Unterkunft und Verpflegung im Internat.

Die deutschen Schüler erhielten im Austausch dafür Gelegenheit, sich mit den unterschiedlichsten Formen von Wassersport anzufreunden, z.B. sind Kanufahren oder Rudern Bewegungsfelder, bei denen das Sehen nicht für alle im Boot eine Voraussetzung darstellt. Auch hier war es so, dass die Gruppe aus Waldkirch die Boote und Gerätschaften der Zeister Schule nutzen und im Wohnheim der Schule sein durfte.

Zwischen den Sportpädagogen der beiden Schulen gibt es seit dieser Zeit einen regen fachlichen Austausch über Didaktik und Methodik im Sportunterricht bei Sehgeschädigten. Freundschaften entwickelten sich zwischen den Kollegen. Jan Schipper verfasste ein Fachbuch über Sport mit Blinden und entwickelte ein spezielles Segelboot, das von Blinden geführt werden kann. Mit den Schülern wurden die gemeinsamen Ideen erprobt und evaluiert. Bis heute begleitet der inzwischen pensionierte Jan Schippers  die Waldkircher Schüler auf ehrenamtlicher Basis in die Schweiz zum Skilanglauf-Landschulheim, das immer im Januar für zehn Tage lang im Engadin stattfindet.

Über lange Zeit fand jährlich ein gegenseitiger Schüleraustausch statt. Neben den besagten sportlichen Aktivitäten gab es in beiden Ländern immer auch weitere  kulturelle und landeskundliche Angebote wie Stadtbesichtigungen z.B. von Freiburg, Amsterdam, Museumsbesuche, Besuche in Naturparks mit Tandem-Ausflügen, Fahrten ans Meer.

Wichtiger Bestandteil der Maßnahmen war stets der Kontakt zwischen den Schülern. Ein sehr berührender Kontakt ergab sich z.B. einmal zwischen einem niederländischen und einem deutschen Mädchen, die feststellten, dass sie beide am gleichen Krankheits-Syndrom leiden, welches weltweit äußerst selten vorkommt.

Ende der Neunziger Jahre wurde die Schule in Zeist umstrukturiert: Viele Schüler wurden an allgemeinen Schulen integriert und die Einrichtung zu einer Schule für Mehrfachbehinderte. Ein Schüleraustausch in der bisher praktizierten Form war nicht mehr möglich. Waldkircher Hauptstufen-Schüler fuhren zwar weiterhin regelmäßig zu Schullandheimen nach Zeist. Besuche der mehrfachbehinderten Schüler aus Zeist wurden schwierig, da das Internat in Waldkirch noch ohne Vorkehrungen für Rollstuhlfahrer war.

In den letzten Jahren wird versucht, der Partnerschaft und dem Schüleraustausch einen neuen Charakter zu geben. Die Waldkircher Schule hat sich zwischenzeitlich ebenfalls mehr und mehr auf Schüler mit mehrfacher Behinderung eingestellt. Die Idee ist, die Abteilungen für Mehrfachbehinderte beider Schulen enger miteinander zu verknüpfen und neue inhaltliche Konzepte für die Kooperation zu entwickeln, da die ursprüngliche sportliche Ausrichtung nicht mehr in dieser Form realisierbar ist. Eine erste Begegnung unter den neuen Voraussetzungen hat bereits unter der stattgefunden.

Zwischen den Schulleitern der beiden Einrichtungen besteht ein herzlicher Kontakt und große Bereitschaft an der Fortsetzung der traditionsreichen Partnerschaft.

Heidrun Albert, April 2013