„Nachtschwärmer“ – ein Filmprojekt mit dem Jugendtheater Waldkirch

Alles begann vor ca. 2 Jahren, als die Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters Waldkirch, Felicitas Adobatti, anfragte, ob wir Lust und Interesse hätten, mit ihrer Jugendtheatergruppe gemeinsam einen Film zu drehen. Natürlich sagten wir sofort zu, und ich bekam das Drehbuch zum Film, das sie geschrieben hatte, zu lesen. Die Geschichte sprach mich an, da sie nah an der Lebenswelt und am Alltag unserer Schüler war und ich die Idee, dass die Jugendlichen der Sehbehindertenschule und Waldkircher Jugendliche gemeinsam an einem Projekt arbeiten, sehr gut fand.

Also sprach ich mit den älteren Schülerinnen und Schülern sowie ihren Lehrern und Erziehern und machte ich mich auf die Suche nach möglichen Darstellerinnen und Darstellern, die auch bald gefunden wurden: Gerne mitmachen wollten Benedict Wehrle, Hannah Euhus, und Florian Zarkhu. Außerdem sagte die komplette Jungsgruppe in Haus Blau ihre Mitarbeit zu, so dass wir dort alle Szenen, die im Internat spielen, drehen konnten. Von Haus Blau kam später noch Michael Mattes zur Kerngruppe der Schauspieler dazu.

Doch zunächst kurz zum Inhalt des Films:

Die Geschwister Theo, Sophie und Jonas leben mit ihrer Mutter zusammen, der Vater ist verstorben. Da Theo das Down-Syndrom hat, müssen alle Familienmitglieder helfen, den Alltag zu bewältigen. Doch plötzlich gerät alles aus den Fugen: Sophie verliebt sich und hat keine Lust mehr, sich um Theo zu kümmern. Theo soll ins Internat und die Familie droht auseinander zu brechen. Wie sich am Ende alles auflöst und es zum Kontakt und zur Annäherung der Jugendlichen mit und ohne Behinderung kommt, soll hier nicht verraten werden!

Auch für uns, d.h. die Schüler und Erwachsenen der Sehbehindertenschule war die Annäherung an die Jugendtheatergruppe spannend; wir trafen uns zum gegenseitigen Kennenlernen, machten gemeinsame Aufwärmübungen und Improvisationen im Theatersaal im Milliongässli, und so knüpften die Jugendlichen Kontakte zueinander. Von den Schauspielerinnen und Schauspielern wurde einiges abverlangt: die Dreharbeiten fanden meist spät nachmittags oder abends statt – im Sommer 2012 drehten wir einmal sogar bis um Mitternacht eine Szene, die in der Allee in Waldkirch stattfindet! Dabei mussten die Szenen immer mehrmals gedreht werden, immer aus mindestens drei verschiedenen Perspektiven, die hinterher dann zusammengesetzt wurden. Es war sehr spannend, mitzuerleben, wie ein Film tatsächlich entsteht und wie viel Arbeit und Zeit dahintersteckt. Die eigentlichen Dreharbeiten waren im Herbst 2012 zu Ende; im November gab es noch ein Abschlussfest mit allen Beteiligten und Live-Musikern im Internat in Haus Blau, bei dem die letzten Szenen gedreht wurden. Danach ging der Film in die „Schneidephase“. Außerdem hat eine Künstlerin Animationen dazu gestaltet, die immer wieder in den Film eingebaut wurden. Als der Film soweit fertig war, gab es im April 2013 eine inoffizielle Vorpremiere im Kommunalen Kino Klappe 11 in Kollnau, zu der alle Mitwirkenden mit ihren Familien und Freunden geladen waren. Wir konnten den Film zum ersten Mal ganz sehen und waren beeindruckt, wie toll er geworden war.

Um den Film noch professioneller zu machen,

entschieden die Regisseurin Felicitas Adobatti und der Kameramann Viktor Sabelfeld, dass eigens eine Filmmusik dazu komponiert und eingespielt werden sollte – sie wollen sich dann mit der ganz fertigen Version von „Nachtschwärmer“ bei Filmfestivals bewerben und ihn an Kommunale Kinos schicken. Natürlich dauert auch das nochmal seine Zeit, so dass der fertige Film nun endlich am 26. Oktober 2013  im Kommunalen Kino Klappe 11 seine richtige Premiere feiern konnte! Vor ausverkauftem Haus begeisterten die „Nachtschwärmer“ das Waldkircher Publikum (s. nebenstehender Presseartikel)!      Noch ist die DVD nicht käuflich zu erwerben, da momentan eine Fassung mit Untertiteln, die auch für Menschen mit einer Hörschädigung verständlich ist, entsteht und erst danach die DVD´s produziert werden.

Im Gespräch mit den Schüler/innen der Berufsschulstufe, die als Darsteller/innen beim Film mitgemacht haben erfahre ich, dass ihnen die Dreharbeiten sehr viel Spaß gemacht haben und der Kontakt zu den Waldkircher Jugendlichen gut war; „wir haben viel Blödsinn zusammen gemacht!“ Simon Zipfel, der im Film den Theo spielt, ist seit einigen Jahren als Schauspieler im Waldkircher Kinder- und Jugendtheater dabei und sagt, dass der Filmdreh eine ganz neue Erfahrung und auch eine Herausforderung für ihn war; in der 1. Szene musste er 16 mal Müsli essen, weil sie so oft gedreht wurde, das ist zum Beispiel ein Unterschied zum Theater spielen. Simon ist seit Herbst nun auch Schüler der Sehbehindertenschule und bei seinen „Schauspielkollegen“ von damals in der Klasse. Für Hannah Euhus, die im Film die Luisa spielt,  war es die erste Erfahrung mit so einem großen Projekt und zum ersten Mal vor der Kamera. Die anfängliche Scheu vor der Kamera wich bald und recht schnell gewöhnte sie sich so daran, dass immer die Kamera mitlief, es fühlte sich ganz normal an, berichtet sie. „Mit hat es großen Spaß gemacht und ich würde jederzeit wieder bei einem Film mitmachen“, sagt Hannah. Auch Michael Mattes fand die Dreharbeiten und den Film gut, allerdings möchte er das nächste Mal lieber etwas mit Graffiti machen!

Jetzt freuen die drei sich erst mal darauf, dass der Film am 3. Dezember schulintern für alle Schülerinnen und Schüler ab 12 Jahren gezeigt wird und somit alle Mitschüler ihn auch sehen können – dann heißt es „Klappe – los“ für die „Nachtschwärmer“!

Aufgrund des großen Interesses wird der Film im Frühjahr noch einmal im Kommunalen Kino Klappe 11 in Kollnau gezeigt, und dann wird auch die DVD in der endgültigen Fassung käuflich zu erwerben sein.

Ursula Springer, Internatsleitung

Links zum Anklicken:

Bericht über die Premiere in der Badischen Zeitung

Zweiter Bericht über die Premiere in der Badischen Zeitung