Geschichte der Schule

Rückblick von Direktorin Adamski zum 40-jährigen Bestehen der Einrichtung 2011

Das Jahr 2011 war schulgeschichtlich betrachtet ein besonderes Jahr: Die Sehbehindertenschule feierte nämlich einen runden Geburtstag! Am 11. Oktober 1971 - genau vor 40 Jahren - wurde die Sehbehindertenschule durch Herrn Hermann Glaser gegründet. Begleitet durch Lehrer-und Erzieherkollegen der Schlossschule Ilvesheim, einer Schule für Blinde und Sehbehinderte, wurde unter seiner Leitung in Waldkirch die erste Heimsonderschule für Sehbehinderte in Baden-Württemberg gegründet, da es zum damaligen Zeitpunkt im südbadischen Raum noch keine Schule für Kinder und Jugendliche mit einer Sehbehinderung gab. Mit 42 Schülerinnen und Schülern wurde begonnen, zum Schuljahresende waren es bereits 72.

Von Beginn an setzte die Schule auf Integrationsmöglichkeiten und indivuduelle Lösungen

Eng kooperierte die Einrichtung mit Schulen in Waldkirch und Umgebung, gemeinsame Unterrichts- und Freizeitangebote wurden gestaltet. Individuelle Lösungen waren schon damals gefragt. Einige Jugendliche nutzten das unterstützende sehbehinderten spezifische Angebot des Internats und besuchten das Gymnasium oder die Realschule in Waldkirch. Lehrer an Allgemeinen Schulen, die einen Schüler oder eine Schülerin mit einer Sehbeeinträchtigung in ihrer Klasse unterrichteten, konnten bei Bedarf durch Kollegen der Sehbehindertenschule beraten werden. Die Beratungsstelle entwickelte sich sehr schnell zu einer eigenen Institution innerhalb der Schule. Auch die Frühförderung von Kindern mit einer Sehbehinderung von der Geburt bis zur Einschulung und die Beratung der Eltern wurden im Laufe der Zeit weiter ausgebaut.

Bereits ein Jahr nach der Gründung der Sehbehindertenschule wurde durch unseren früheren Leiter der Abteilung für Mehrfachbehinderte Herrn Hans Krüger die erste Schulzeitung veröffentlicht, seit 1975 trägt sie ihren heutigen Namen "Monokel". Erste Förderschulklassen bildete man 1974, um Kindern mit einem zusätzlichen Bildungsanspruch im Bereich des Lernens Rechnung zu tragen. Außerdem wurde die Stelle einer Schulpsychologin geschaffen.

Der Förderverein wird ins Leben gerufen

Mit Gründung des Vereins zur Förderung sehbehinderter Menschen e.V.konnten 1975 erstmals sehbehindertengerechte Lineaturen und Schriftsätze gestaltet werden, was durch die Anschaffung drucktechnischer Geräte möglich wurde. In der Folge profitierte die Schulgemeinschaft sehr von der Unterstützung durch den Verein.

Insbesondere durch die vereinseigenen Kleinbusse, die im Laufe der Jahre der Einrichtung zur Verfügung gestellt wurden, um unter anderem die Anbindung an das Öffentliche Leben in Waldkirch und Umgebung sowie Schullandheimfahrten und Lerngänge zu ermöglichen.

Umzug nach St. Michael

Im Herbst 1982 konnte die Heimsonderschule für Sehbehinderte ihr provisorisches und inzwischen sehr beengtes
Schulgebäude in der Heimeckerstraße in Waldkirchs Innenstadt, bestehend aus einem Mehrfamilienhaus und diversen Wohncontainern, die als Klassenzimmer genutzt wurden, verlassen und den Gebäudekomplex des gerade frei gewordenen Mädchenheims "St. Michael" des Ordens der "Schwestern zumGuten Hirten" beziehen. Der Name sollte damals von der Sehbehindertenschule übernommen werden. Daher stammt also der "heilige" Name unserer staatlichen Heimsonderschule.

Gründung der MB-Abteilung 

Nun wurde auch die Abteilung für Mehrfachbehinderte gegründet, um jungen Menschen mit mehreren Behinderungen entsprechende Bildungschancen zu eröffnen. Zum Schuljahr 1989 übernahm Herr Bernd Haselmann für drei Jahre die Leitung der Sehbehindertenschule. Ihm lagen besonders die Kooperation mit außerschulischen Partnern und die Einbindung der Schule an das öffentliche Leben am Herzen. Er initiierte unter anderem das heute noch bestehende Kinderkulturprogramm "Treff auf dem Berg", bei dem Kinder und Jugendliche aus Waldkirch und Umgebung regelmäßig zu kulturellen Veranstaltungen der Schule eingeladen werden. Dies ermöglicht Begegnungen zwischen jungen Menschen mit und ohne Handicap.

Ausbau der Kontakte

Unter Bernd Herrlich baute die Schule ab 1992 seine Kontakte zu anderen Sehbehindertenschulen in Deutschland und benachbarten Staaten weiter aus und entwickelte ein "Europäisches Profil". Zu erwähnen ist hier besonders das groß angelegte Comeniusprojekt zum Thema "Barrierefreies Lernen", das in Kooperation mit den Blinden- und Sehbehindertenschulen aus Krakau und Wien vielfältige Kontakte und Besuche der Kollegien und der Schüler de drei Schulen umfasste. Zum Abschluss wurden im Schuljahr 2003/04 in allen drei Städten Schulfeste mit Präsentationen der Projektergebnisse, sowie mit Tanz und Musik veranstaltet.

Pädagogisch immer auf der Höhe der Zeit

Mit 40 Jahren sieht ein Mensch voll im Leben. Er hat in der Regel schon einiges erreicht, wertvolle Erfahrungen gemacht, hat seinen Platz gefunden in der Gesellschaft und ist in der Mitte des Lebens angekommen. Dieses Bild lässt sich, wie ich finde, sehr gut auf unsere Schule übertragen: Von der Gründerzeit bis heute stellte sich das Kollegium in Schule und Internat den Herausforderungen des Schulalltags, zeigte sich offen für bildungspolitische Veränderungenund eine große Bereitschaft, die Unterrichtsqualität durch konzeptionelles Arbeiten und Fortbildungen stetig weiterzuentwickeln. Die Sehbehindertenschule macht den ihr anvertrauten Schülerinnen und Schülern ein persönliches, am speziellen Bildungsanspruch und den Bedürfnissen des einzelnen Kindes bzw. Jugendlichen ausgerichtetes pädagogisches Angebot, um den jungen Menschen zu einer möglichst selbständigen Teilhabe am
gesellschaftlichen Leben zu verhelfen. Sie hat inzwischen einen festen Platz in Südbadens Schullandschaft.

Ich wünsche der Schulgemeinschaft St. Michael, dass sie sich auch in Zukunft ihre familiäre Atmosphäre und ihre jugendliche Lebendigkeit erhält, im Sinne einer modernen, von Flexibilität und Kreativität geprägten Pädagogik, die ausgerichtet ist auf eine individuelle Lern- und Entwicklungsbegleitung der ihr anvertrauten Schülerinnen und
Schüler.

 

Link zum Anklicken:

Bericht in der Badischen Zeitung über das Schuljubiläum