Ein sonderpädagogisches Bildungsangebot im Verständnis der Sehbehinderten- bzw. Blindenpädagogik

hat für die Kinder und Jugendliche mit Einschränkungen in den visuellen Funktionen zum Ziel

  • zunehmend selbstgestaltend und selbstbestimmt tätig zu sein, um ein möglichst hohes Maß an schulischer und beruflicher Eingliederung, gesellschaftlicher Teilhabe und selbständiger Lebensgestaltung zu erreichen
  • das Selbstwertgefühl zu entfalten, Stärken und Kompetenzen im Sinne von Einstellungen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen insbesondere in Bezug auf den Umgang mit der Sehbehinderung zu entwickeln und entsprechend dem persönlichen Bedarf spezifische Unterstützung zu suchen und einzufordern

Die Schule für Sehbehinderte und Blinde schafft hierfür eine Lernumgebung, die an die speziellen Bedürfnisse im Bereich der visuellen Wahrnehmung angepasst sind

  • Schulgelände und Schulgebäude sind so gestaltet, dass Schülerinnen und Schüler sich orientieren und gefahrlos mobil sein können, z.B. optische bzw. taktile Kennzeichnung, Leitlinien, farbliche Kontraste
  • die Arbeitsplätze sind individuell angepasst
  • reizarme Gestaltung
  • optimale Ausleuchtung
  • optimierte Raumakustik
  • blinden- und sehbehindertenspezifisch adaptiertes Unterrichtsmaterial
  • eindeutige Ordnungssysteme
  • spezielle Hilfsmittelversorgung (u. a. optische und elektronische Hilfsmittel und Medien der "Unterstützten Kommunikation")

Feste Bezugspersonen

Es wird nach dem Klassenlehrerprinzip unterrichtet, jeder Schüler hat eine feste Bezugsperson, die ihn und seine speziellen Bedürfnisse gut kennt.

Individuelle Lern- und Entwicklungsbegleitung

Bei der Gestaltung von Bildungs- und Erziehungsprozessen wird die individuelle Lebensgeschichte und aktuelle Lebenslage sowie die soziale Situation der einzelnen Schülerin und des einzelnen Schülers berücksichtigt.
  • fundierte und gesicherte visuelle Funktionsdiagnostik
  • optimale Hilfsmittelversorgung
  • Feststellung individueller Lernbedürfnisse und Lernfortschritte in einem systemischen Umfeld
  • Regelmäßige Klärung der Lernortfrage
  • Vereinbarung, Überprüfung und Fortschreibung individueller Ziele, Angebote und Maßnahmen
Bei der Unterrichtsgestaltung werden in besonderem Maße die persönlichen Stärken und Interessen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt.

Sehbehindertenspezifische Unterrichtsprinzipien

  • Anschaulichkeit

  • Handlungsorientierung

  • Lebensweltbezug

  • Begriffsbildung und "Verbalisieren" (= Handlungen sprachlich begleiten bzw. ankündigen)

  • Individualisierung durch spezielle Auswahl geeigneter Medien, die möglichst verschiedene Sinneskanäle ansprechen und die Wahrnehmung und Merkfähigkeit unterstützen unter Berücksichtigung der Lern-, Leistungs- und Entwicklungsvoraussetzungen jedes einzelnen Schülers

  • "Exemplarisches Lernen": Reduktion der Lernstoffmenge zu Gunsten von Zeitgewinnung für vielfältige Erfahrungs- und Anwendungsmöglichkeiten

  • Individuelle Lernzeiten (Berücksichtigung von "Sehpausen" und körperlicher und seelischer Befindlichkeit)

Wesentliche Bildungsbereiche an der Schule für Blinde und Sehbehinderte

ergänzen den Bildungsplan des entsprechenden Bildungsganges der Schüler und sind im Curriculum der Schule verankert
  • Wahrnehmung und Lernen in Bezug auf die Seheinschränkung
    z.B. Kompensation durch andere Sinne, "Sehtraining", Lernstrategien, Merkfähigkeit entwickeln
  • Methodenkompetenz
    z.B. Umgang mit den Hilfsmitteln, Anwendung spezifischer Arbeitstechniken, Nutzung von Informationstechnologien
  • Kommunikation
    z..B. erlernen der Brailleschrift, Umgang mit Symbolen und Schrift, Begriffsbildung, Mitteilungen verstehen, sich mitteilen, Gespräche führen
  • Identität und Umgang mit anderen
    z..B. Auseinandersetzung mit der eigenen Person und der Behinderung sowie der "sehenden Umwelt", Kompensationsstrategien entwickeln
  • Lebenspraxis
    z..B. Selbstversorgung, Gesunderhaltung, häusliches Leben
  • Bewegung, Orientierung und Mobilität
  • Lebensentwürfe und Lebensplanung
    z.B. Alltag und Freizeit gestalten, Leben in der Gesellschaft, Vorbereitung auf Arbeit und Beruf